Aus der Danziger Geschichte

Die alte Handels- und Hansestadt Danzig war jahrhundertelang eine weitgehend unabhängige Stadtrepublik mit einem überwiegend deutschen Bevölkerungsanteil. Die Entwicklung Danzigs zu einer weltoffenen und reichen Handelsmetropole im Mittelalter war der Tatkraft der Bürger als Seefahrer, Kaufleute, Handwerker und Siedler zu verdanken.

Im Laufe der frühen Geschichte wurde das Gebiet an der Weichselmündung von Völkern aus Skandinavien und einer Völkergruppe der Balten (Prußen) besiedelt.

Um 800 v. Chr. folgten Ostgermanen, um 150 v. Chr. siedelten Burgunder aus Bornholm und Südschweden.

um 50 v. Chr.
- 600 n. Chr.
Siedlung der Goten aus Südostschweden.
7.-9. Jh. Slawische Siedlung Danzigs (Pomoranen), die sich mit den zurückgebliebenen Goten und Prußen (vorwiegend östlich der Weichsel) vermischten.
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997 Prußenmissionar Adalbert von Prag in Danzig. In seiner Lebensbeschreibung wird der Name Danzigs urbs (Siedlung) Gyddanyzc erstmals genannt.
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1184/85 Gründung des Zisterzienserklosters Oliva, das deutsche Bauern, Handwerker und Händler ins Land zog und es wirtschaftliche aufwertete; zur gleichen Zeit deutsche Kaufleute in Danzig. Anfänge der späteren Kaufmannssiedlung.
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um 1224/25 Gründung der deutschrechtlichen Stadt (civitas) nach lübischem Stadtrecht durch Herzog Swantopolk als Kaufmannssiedlung an der Mottlau.
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1309 Der 1225 vom Herzog Konrad von Masowien gegen die Prußen zu Hilfe gerufene Deutsche Orden gliedert die Stadt mit Pommerellen durch Vertrag von Soldin zwischen dem Deutschen Orden und Brandenburg vom 13.9.1309 und durch den Frieden von Kalisch vom 8. Juli 1343 zwischen dem Deutschen Orden und dem König von Polen, der für sich und seine Erben auf Pommerellen und das Kulmer Land verzichtete, seinem Ordensgebiet ein.
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1346 Kulmer Stadtrecht für Danzig.
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1361 Erste Teilnahme Danzigs am Hansetag in Greifswald.
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1440 Gründung des preußischen „Bund vor Gewalt“, später „Preußischer Bund“, zunächst unter Beteiligung Danzigs.
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1454 Der Preußische Bund kündigt dem Orden den Gehorsam auf und unterstellt sich der Schutzherrschaft des polnischen Königs (Krone Polen). Danzig geht ebenfalls die Schutzbeziehung ein, läßt sich aber die Privilegien einer eigenständigen Stadtrepublik garantieren (1454, 1455, 1457), gehört nicht zum Polnischen Reich. Danzig unterstützt Polen im 13-jährigen Krieg (1454-1466).
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1457 König Kasimir IV. verleiht Danzig das sogenannte Große Privileg, das ihr großes Landgebiet, viele Hoheitsrechte und eine fast autonome Stellung gibt.
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16.-17. Jh. Gestützt auf seinen Reichtum erlebt Danzig sein „Goldenes Zeitalter“. Errichtung und Verschönerung vieler Bau- und Kunstdenkmäler. Umfangreiche Handelsbeziehungen, vor allem im Rahmen der Hanse, nach Ost und West; mit knapp 80.000 Einwohnern um 1650 ist Danzig eine der größten Städte Nordeuropas. Durch seine gewaltigen Schutzanlagen  und Geldzahlungen ungeheuren Umfangs an die kriegführenden Parteien bewahrt Danzig seine Selbständigkeit und wird Anziehungspunkt für Wissenschaftler und Künstler, insbesondere im „30-jährigen Krieg“.
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1557 Einführung der Religionsfreiheit in Danzig. Zulassung des Protentantismus.
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1570-1584 Danzig verteidigt seine Unabhängigkeit gegen den polnischen König. (1577 vergebliche Belagerung der Stadt durch Stefan Batory).
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1654-1660 Zweiter schwedisch-polnischer Krieg. Danzig erhält 1657 für die weitgehende Unterstützung des polnischen Königs von ihm das Adelsprivileg.
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1793 Anschluss Danzigs an Preußen durch Beschluss von Rat und Bürgerschaft vom 11.3.1793 nach der zweiten Teilung Polens.
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1807 Belagerung und Eroberung Danzigs durch französische, sächsische und polnische Truppen, im Tilsiter Frieden zur „Freien Stadt erklärt unter der Schutzherrschaft der Könige von Sachsen und Preußen unter französischer Besatzung bis 1813/14. Auch in Danzig erfolgt eine unglaubliche Ausbeutung und Drangsalierung der Zivilbevölkerung – die Einwohnerzahl sinkt 1814 auf etwa 16.000.
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19. Jh. Nach wirtschaftlichem Aufstieg starke kulturelle und technische Entwicklung.
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1814 Übernahme der Stadt Danzig durch preußische Verwaltung.
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1815 Wiener Kongress. Bestätigung der Wiedereingliederung Danzigs durch Preußen. 1815-1824 und 1878-1920 war Danzig Hauptstadt der Provinz Westpreußen, in der Zwischenzeit war West- und Ostpreußen zur gemeinsamen Provinz Preußen mit der Provinzhauptstadt Königsberg zusammengefasst.
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1823

Gründung des Ostseebades Zoppot und Entwicklung zum internationalen Seebad.
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1871-1920 Danzig gehört zum Deutschen Reich.
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1904

Gründung der Technischen Hochschule Danzig, insbesondere mit den Möglichkeiten zum Studium von Hafen-, Schiff- und Flugzeugbau und einer sehr positiven Entwicklung bis zum Jahre 1945.
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1920 Errichtung des im Versailler Vertrag festgelegten souveränen deutschen Kleinstaates „Freie Stadt Danzig“ unter dem Schutz des Völkerbundes und dessen „Hohen Kommissar“ mit Sitz in Danzig und mit Sonderrechten für Polen zur Sicherung des freien Zugangs zur Ostsee. Das Staatsgebiet umfaßt eine Fläche von rund 1966 Quadratkilometern mit den Städten Danzig, Zoppot, Tiegenhof und Neuteich und einer Bevölkerung von ca. 400.000 Bewohnern, davon 96 % deutscher und knapp 3 % polnischer Anteil. Die politischen  Schwierigkeiten zwischen Polen und der „Freien Stadt Danzig“ spiegeln sich in zahllosen Verhandlungen vor dem Völkerbund wieder.
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1939 Am 1. September Beginn des Zweiten Weltkrieges mit deutschem Einmarsch in Polen. Verteidigung der Danziger „Westerplatte und des polnischen Postgebäudes im Hafen durch wiederrechtlich eingeschleuste polnische Soldaten und Waffen. „Wiedervereinigung Danzigs mit dem Deutschen Reich.


Staatsgebiet Freie Stadt Danzig 1920 -1939
1939-1945 Danzig unter deutscher Verwaltung als Hauptstadt des neu eingerichteten Reichsgaus Danzig-Westpreußen.
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1945 Ab Ende März Eroberung und Besetzung Danzigs durch sowjetische und polnische Truppen. Die Danziger Innenstadt, die durch Luftangriffe zu etwa 30% zerstört war, wird nun zu 90% in Schutt und Asche gelegt. Zahlreiche Brandstiftungen nach der Einnahme. Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung unter den bekannten entsetzlichen Umständen.
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ab 1945 Die Alliierten des Zweiten Weltkriegs stellen die Freie Stadt Danzig unter polnische Verwaltungsbesetzung. Eine endgültige völkerrechtliche Regelung ist bisher nicht erfolgt. Danzig untersteht der Gebietshoheit der Republik Polen. Teilweiser Wiederaufbau der Danziger Innenstadt durch die Polen mit deutscher Unterstützung.

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